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Arthritis

Kurzdefinition

Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die durch eine Aktivierung des Immunsystems, Infektionen oder Stoffwechselstörungen ausgelöst wird. Im Unterschied zur Arthrose [interner Link: https://www.ma-praxis.de/glossar-praxiswessen/arthrose] , die auf mechanischem Verschleiß beruht, steht bei der Arthritis stets ein entzündlicher Prozess im Vordergrund. Dieser greift die Gelenkschleimhaut, den Knorpel und im Verlauf auch den Knochen an. Im Bereich des Fußes kann Arthritis alle Gelenke betreffen – vom oberen Sprunggelenk bis zu den kleinen Zehengelenken – und führt dort zu Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen.


Was ist Arthritis?

Arthritis bezeichnet wörtlich eine Entzündung des Gelenks (griech. arthron = Gelenk, -itis = Entzündung). Diese Entzündung ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Mechanismus, der unterschiedliche Ursachen haben kann.


Im entzündeten Gelenk produziert die Gelenkschleimhaut (Synovialmembran) übermäßig viel Gelenkflüssigkeit. Immunzellen wandern ein, setzen Entzündungsbotenstoffe frei und schädigen damit die Knorpelstruktur sowie die angrenzenden Knochen. Ohne Behandlung können diese Prozesse innerhalb weniger Monate zu bleibenden Gelenkschäden führen.


Arthritis tritt in vielen Formen auf. Zu den häufigsten gehören:

  • Rheumatoide Arthritis (RA): Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigenes Gelenkgewebe angreift.

  • Psoriasisarthritis: Gelenkentzündung in Verbindung mit Schuppenflechte, häufig mit Befall der Zehengelenke.

  • Reaktive Arthritis: Gelenkentzündung als Reaktion auf eine vorangegangene Infektion (z. B. Harnwegsinfekt, Darminfektion).

  • Gichtarthritis (Arthritis urica): Einlagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken, bevorzugt das Großzehengrundgelenk.

  • Septische Arthritis: Direkte Gelenkinfektion durch Bakterien, medizinischer Notfall.


Arthritis oder Arthrose – wo liegt der Unterschied?

Arthritis und Arthrose werden im Alltag häufig verwechselt, beschreiben jedoch grundlegend verschiedene Krankheitsprozesse. Der entscheidende Unterschied liegt in der Ursache: Arthrose entsteht durch mechanischen Verschleiß des Gelenkknorpels, Arthritis hingegen durch eine Entzündungsreaktion.

Im klinischen Alltag können sich beide Erkrankungen überschneiden. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose können sekundäre Entzündungsreaktionen auftreten – die sogenannte aktivierte Arthrose. Umgekehrt führt eine langanhaltende Arthritis durch die chronische Zerstörung des Knorpels zu degenerativen Gelenkveränderungen, die einer Arthrose ähneln.


Merkmal

Arthritis

Arthrose

Ursache

Entzündung (Autoimmun, Infektion, Stoffwechsel)

Verschleiß / Degeneration

Verlauf

Akut oder schubweise, chronisch

Schleichend, chronisch-progredient

Erkrankungsalter

Jedes Alter möglich

Meist ab dem 50. Lebensjahr

Blutbild

Entzündungsmarker erhöht (CRP, BSG)

Unauffällig

Betroffene Gelenke

Oft mehrere, häufig symmetrisch

Einzelne, mechanisch belastete Gelenke

Schmerzcharakter

Ruheschmerz, Morgensteifigkeit > 30 min

Belastungsschmerz, Anlaufschmerz

Gelenkflüssigkeit

Stark vermehrt, trüb, Leukozytenreiche

Leicht vermehrt, klar

Therapieansatz

Entzündungshemmung, DMARDs, Biologika

Knorpelschutz, Physiotherapie, OP


Hinweis: Im englischsprachigen Raum bezeichnet der Begriff „Arthritis“ auch die Arthrose (Osteoarthritis). Im deutschsprachigen Raum wird streng zwischen entzündlichem (Arthritis) und degenerativem (Arthrose) Prozess unterschieden.


Arthritis im Fuß – wo und wie wirkt sie sich aus?

Der Fuß ist ein biomechanisch komplexes System aus 26 Knochen und mehr als 30 Gelenken. Bei entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder der Psoriasisarthritis ist er besonders häufig betroffen – oft sogar als erste klinische Manifestationsstelle. Die Entzündung kann einzelne oder mehrere Gelenke gleichzeitig erfassen.


Talocruralis-Arthritis – oberes Sprunggelenk

Die Talocruralis-Arthritis betrifft das obere Sprunggelenk [interner Link: https://www.ma-praxis.de/sprunggelenk] (Articulatio talocruralis), das für Plantarflexion und Dorsalextension des Fußes verantwortlich ist. Eine Entzündung hier führt zu deutlichen Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen, Schwellung auf Höhe des Außen- und Innenknöchels sowie einer schmerzhaft eingeschränkten Dorsalextension. Die Talocruralis-Arthritis tritt häufig im Rahmen der rheumatoiden Arthritis oder der reaktiven Arthritis auf.


Talocalcaneonaviculare-Arthritis – unteres Sprunggelenk

Das untere Sprunggelenk (Articulatio talocalcaneonavicularis) ermöglicht Pronation und Supination des Fußes. Eine Talocalcaneonaviculare-Arthritis äußert sich durch tiefen Fersenschmerz, Instabilitätsgefühl auf unebenem Untergrund und eine gestörte Fußstatik. Da dieses Gelenk die Vertikalkräfte des gesamten Körpergewichts aufnimmt, können Entzündungen hier rasch zu funktionellen Einschränkungen führen.


Chopart-Gelenk-Arthritis – Fußwurzel

Das Chopart-Gelenk (Articulatio tarsi transversa) verbindet die hintere mit der vorderen Fußwurzel und besteht aus dem Talonavicular- und dem Calcaneocuboidgelenk. Eine Chopart-Gelenk-Arthritis verursacht Schmerzen im medialen und lateralen Fußmittelbereich [interner Link: https://www.ma-praxis.de/mittelfu%C3%9Ferkrankungen], die sich beim Abrollvorgang und bei unebenen Böden verstärken. Funktionell stört sie die Lastverteilung zwischen Rück- und Vorfuß erheblich.


Tarsometatarsale Arthritis – Lisfranc-Gelenkreihe

Die Gelenke zwischen Fußwurzel und Mittelfußknochen (Articulationes tarsometatarsales, Lisfranc-Gelenke) stabilisieren das Längs- und Quergewölbe des Fußes. Eine Tarsometatarsale Arthritis erzeugt Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Mittelfußbereich, häufig mit Schwellung am Fußrücken. Bei rheumatoider Arthritis sind diese Gelenke oft in Kombination mit den Zehengrundgelenken betroffen. 


Metatarsophalangeal-Arthritis – Zehengrundgelenke

Die Metatarsophalangeal-Gelenke (MTP-Gelenke) sind bei der rheumatoiden Arthritis klassischerweise eines der ersten betroffenen Gelenke. Eine Metatarsophalangeal-Arthritis führt zu Schmerzen beim Zehenstand und beim Abstoßen, Druckschmerz beim Quetschen des Vorfußes (positiver Querdruckschmerz) sowie zu charakteristischen Deformitäten wie Hallux valgus oder Krallenzehen. Besonders das Großzehengrundgelenk (MTP I) ist bei der Gichtarthritis betroffen – ein klassischer Podagra-Anfall.


Interphalangeal-Arthritis – Zehenmittel- und Endgelenke

Die Interphalangeal-Arthritis betrifft die kleinen Gelenke zwischen den Zehengliedern. Charakteristisch für die Psoriasisarthritis ist die Daktylitis – eine Entzündung des gesamten Zehenstrahlgelenks, die den betroffenen Zeh wie eine Wurstzehe erscheinen lässt. Auch Erosionen an den Gelenkflächen sowie eine Einsteifung (Ankylose) im Verlauf sind möglich.


Die Ursachen – wie entsteht Arthritis?

Autoimmunprozesse

Bei Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder der Psoriasisarthritis greift das Immunsystem irrtümlich die körpereigene Gelenkschleimhaut an. Entzündungsbotenstoffe wie TNF-alpha und Interleukin-6 halten die Entzündung dauerhaft aufrecht und schädigen dabei Knorpel und Knochen.


Infektionen

Bakterielle Erreger (z. B. Staphylokokken, Borrelien) können direkt in ein Gelenk gelangen und eine septische oder reaktive Arthritis auslösen. Die septische Arthritis ist ein medizinischer Notfall, da ohne rasche Behandlung innerhalb von Stunden bleibende Gelenkschäden entstehen können.


Stoffwechselstörungen

Eine Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel) führt zur Ablagerung von Natriumurat-Kristallen in Gelenken. Die daraus resultierende Gichtarthritis tritt bevorzugt am Großzehengrundgelenk auf und äußert sich als akuter, intensiver Schmerzanfall.


Genetische Faktoren

Bestimmte HLA-Genotypen (z. B. HLA-B27 bei der Spondyloarthritis, HLA-DR4 bei der RA) erhöhen die individuelle Empfänglichkeit für entzündliche Gelenkerkrankungen erheblich. Familiäre Häufungen sind daher ein relevanter Risikofaktor.


Symptome bei Arthritis – welche Warnsignale gibt es?

Gelenkschwellung und Überwärmung

Eine sichtbare Schwellung und spürbare Überwärmung des betroffenen Gelenks sind typische Zeichen einer akuten Arthritis. Ursache ist die vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit (Erguss) sowie der Bluteinstrom in das entzündete Gewebe.


Ruheschmerz und Morgensteifigkeit

Anders als bei der Arthrose treten Arthritis-Schmerzen charakteristischerweise auch in Ruhe auf. Viele Betroffene berichten über ausgeprägte Morgensteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält – ein klinisch bedeutsames Unterscheidungsmerkmal zur Arthrose.


Einschränkung der Beweglichkeit

Die Kombination aus Schwellung, Schmerz und muskulärer Schutzspannung schränkt die Gelenkbeweglichkeit ein. Im Fußbereich beeinträchtigt dies das Gangbild, den Abrollmechanismus und die Standsicherheit.


Systemische Begleitsymptome

Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können allgemeine Krankheitszeichen wie Fatigue, Fieber, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit auftreten. Diese systemische Beteiligung unterscheidet die Arthritis klar von einer lokal begrenzten Arthrose.


FAQs

Sind Fehlstellungen Ursache oder Folge einer Arthritis im Fuß?

Beides ist möglich. Vorbestehende Fußfehlstellungen können ungünstige Belastungsverteilungen erzeugen, die Entzündungsreaktionen begünstigen. Gleichzeitig führt eine chronische Arthritis durch Sehnen- und Kapselzerstörung selbst zu progredienten Deformitäten wie Hallux valgus oder Plattfuß.

Unterscheidet sich die Behandlung der verschiedenen Arthritisformen?

Ja. Bei der septischen Arthritis steht die sofortige antibiotische Therapie und Gelenkspülung im Vordergrund. Die rheumatoide Arthritis wird mit DMARDs und Biologika behandelt, die Gichtarthritis mit Colchicin, NSAR und Urikostatika (Allopurinol). Eine präzise Diagnose der Arthritisform ist daher Voraussetzung für eine wirksame Therapie.

Welche Rolle spielen Schuhversorgung und Einlagen bei Arthritis im Fuß?

Orthopädische Einlagen und angepasstes Schuhwerk können Druckspitzen reduzieren, die Gelenkbelastung verringern und das Gangbild stabilisieren. Sie ersetzen keine medikamentöse Therapie, können aber die Funktion im Alltag deutlich verbessern und Deformitäten verlangsamen.

Wann ist eine Operation bei Arthritis im Fuß notwendig?

Eine operative Therapie kommt in Betracht, wenn konservative und medikamentöse Maßnahmen keine ausreichende Beschwerdelinderung erzielen und strukturelle Gelenkzerstörungen vorliegen. Je nach betroffenem Gelenk sind Synovektomie, Arthrodese oder – am oberen Sprunggelenk – eine Totalendoprothese mögliche Optionen.

Kann Arthritis dauerhaft Gelenkschäden verursachen?

Ja. Ohne ausreichende Behandlung können chronisch-entzündliche Arthritisformen innerhalb von Monaten bis Jahren zu erosiven Knorpel- und Knochenschäden, Deformitäten (Hallux valgus, Krallenzehen) und im Extremfall zur Gelenkeinsteifung (Ankylose) führen.

Wie wird Arthritis im Fuß diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf klinische Untersuchung, Laborwerte (CRP, BSG, Rheumafaktor, Anti-CCP-Antikörper, Harnsäure), bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, Sonographie) sowie bei Bedarf eine Gelenkpunktion mit Synovialanalyse.

Welche Gelenke im Fuß sind bei Arthritis am häufigsten betroffen?

Bei der rheumatoiden Arthritis sind es bevorzugt die Metatarsophalangeal-Gelenke (MTP I–V) und das obere Sprunggelenk. Bei der Gichtarthritis steht das Großzehengrundgelenk (Podagra) im Vordergrund. Die Psoriasisarthritis befällt oft die Interphalangeal-Gelenke und führt zu Wurstzehenbildung.

Was ist der Unterschied zwischen Arthritis und Arthrose?

Arthritis ist eine entzündliche Gelenkkrankheit, Arthrose eine degenerativ-verschleißbedingte. Arthritis geht mit Ruheschmerz, Schwellung und erhöhten Entzündungsmarkern im Blut einher, Arthrose mit Belastungsschmerz und unauffälligem Blutbild. Im fortgeschrittenen Stadium können sich beide Formen überlagern.

Ist Arthritis heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Infektionsbedingte Formen (septische, reaktive Arthritis) können nach erfolgreicher Behandlung vollständig ausheilen. Autoimmunbedingte Formen wie die rheumatoide Arthritis sind chronisch, lassen sich durch moderne Therapien (DMARDs, Biologika) jedoch gut kontrollieren.

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